Am Donnerstag durften wie mit unserem Jugendstück „Crazy"
auf „die Bretter, die die Welt bedeuten". Das THEATER Stolperdraht
konfrontierte das Publikum mit der Problematik Pubertät und den damit
entstehenden unterschiedlichen Entwicklungstendenzen der Jugend. So
verschieden die Charaktere auch sind, letztlich sehnt sich jeder von uns
nach Liebe, Geborgenheit und Anerkennung.
„Crazy" verknüpft jene natürlich Gemeinsamkeit und
erzählt die Geschichte des 16-jährigen Benjamin, dem die Integration in die
Internatsgemeinschaft trotz seiner körperlichen Behinderung gelingt. Das
Stück wurde von den Zuschauern mit reichlich Beifall belohnt.
In den Aufführungsgesprächen konnten die gewonnenen
Eindrücke geschildert, Meinungen vertreten und Fragen gestellt werden.
Koordiniert wurde das Ganze durch professionelle Theaterregisseure, die ihre
Erfahrungen und unsere Empfindungen geschickt verknüpften und so immer
wieder interessante Aspekte ansprachen.
Auffällig waren die unterschiedlichen Reaktionen der
Gruppen auf negative Kritiken, die eigentlich als gut gemeinte Ratschläge
verstanden werden sollten. Die einen wirkten eingeschüchtert, andere eher
nachdenklich bzw. registrierend. Was ich jedoch schade finde, ist, dass es
immer wieder Spieler oder auch Regisseure gibt, die sich persönlich
beleidigt und angegriffen fühlen. Stark gestikulierend wird sofort die
„Kampfhaltung" eingenommen, auf deren Grundlage es sich nur schwer
diskutieren lässt.
Rechtfertigen bringt den Einzelnen nicht weiter. Dadurch
wird lediglich ein Weiterentwickeln verhindert. Außerdem gab es ein
erschreckendes Beispiel dafür, wie verkrampft und verzweifelt eine
Inszenierung wirken kann, wenn die Darsteller zu Marionetten werden, die
absolut gar keine Handlung aus eigenem Impuls heraus spielen dürfen. Dieser
zwanghafte Versuch eines Regisseurs, der selbst auch Spieler ist, die
Individualität seiner Darsteller zu missachten bzw. zu manipulieren, führte
bei mir dazu, dass ich gleichzeitig Wut und Mitleid empfand.
Als Gastgeber für die 9. Brandenburgischen
Amateurtheatertage stellte sich diesmal Neuruppin zur Verfügung. Die Stadt
brachte gleich zwei bedeutende Persönlichkeiten hervor: Karl Friedrich
Schinkel und Theodor Fontane, dessen Geburtshaus wir ins Auge fassen
durften. In einer persönlichen Stadtführung öffneten Anekdoten aus längst
begrabener Zeit die Grenzen zur Vergangenheit. Individuell ersponnene Bilder
ließen die Geschichte jener alten Stadt wieder aufleben und verdrängten die
zivilisierte, gegenwärtige Realität. Das Eintauchen und Vorstellen wurde
erleichtert, durch die gepflasterten Straßen und gut erhaltenen Altbauten,
die Ruhe und Gemütlichkeit ausstrahlten. Kaum zu glauben, dass 1787 ein
riesiger Brand den Hauptteil der Stadt vernichtete. Doch da Neuruppin ein
Garnisonsort war, finanzierte der damalige preußische König Friedrich
Wilhelm II den Wiederaufbau.
Es war sozusagen Glück im Unglück, was nicht zuletzt
daran lag, dass zu jenem Zeitpunkt Frieden herrschte und die Staatskasse
nach der Herrschaft unter Friedrich dem Großen gefüllt war. So lernte man
den historischen Wert Neuruppins schätzen.
Besonders lobenswert hervorzuheben sind außerdem die
kurzfristig organisierten Workshops, durchgeführt von Peter Lange und
Andreas Gahl.
Am meisten beeindruckt haben mich die Stücke „Adam und
Eva", „Das Missverständnis" und „Maß für Maß". Selten wirkten die
Schauspieler affektiert. Sie spielten wahrhaftig. Es gab eine Vielzahl an
Momenten, die so ehrlich waren, dass die Schauspieler das Publikum in ihre
fiktive Welt lotsen konnten. Theater ernährt sich von Fantasie.
Wir danken dem BATV und der Stadt Schwedt für die
freundliche Unterstützung unserer Theatergruppe.
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9. BATT 2006