Stolperdraht wird 15 Jahre  

von Simone und Barbara

Theater von Kindern und Jugendlichen für Kinder und Jugendliche – das ist das Hauptanliegen unseres Vereins. Bei uns stehen überwiegend junge Menschen im Alter von 7 bis 21 Jahren auf der Bühne. Aber unter unseren rund 60 Mitgliedern gibt es auch einige „alte Hasen", die es hin und wieder auf die Bretter zieht, wenn sie nicht gerade mit Regie, Technik, Vorstandsarbeit, Organisation und ähnlichem beschäftigt sind.

Unser THEATER besteht aus mehreren Sparten:

- Kindertheatergruppe (Kinder von 7 bis 15 Jahren)
- Schauspielensemble (Jugendliche ab 14 Jahre)
- PRIMANIA Karnevalsklub Schwedt
  (Jugendliche und Erwachsene)
- Mädchentanzgruppe
- Öffentlichkeitsarbeit
- Ausstattung (Schneiderei, Bühnenbild, Maske, Bühnentechnik)

Der Verein hat zur Zeit eine hauptamtliche Mitarbeiterin und drei geringfügig beschäftigte Mitarbeiter im Bereich Ausstattung/Technik. Aber ohne das ehrenamtliche Engagement vieler Mitglieder und Eltern könnten wir unsere vielfältigen Vorhaben nicht bewältigen.

Unser Kinder- und Jugendtheater finanziert sich überwiegend aus öffentlichen Mitteln, aus Mitgliedsbeiträgen, aus Spenden und aus Vorstellungseinnahmen. Unser Domizil befindet sich im Mehrzweckgebäude „Kosmonaut", welches der Stadt Schwedt gehört. Hier haben wir mit dem Saal und der Bühne sehr gute räumliche Voraussetzungen für unsere Theaterarbeit.

Der Slogan des BATV „jeden tag theater." wird bei uns groß geschrieben. Pro Jahr finden im THEATER „Stolperdraht" ca. 100 Theateraufführungen und ca. 170 Proben und Zusammenkünfte der Theatermitglieder statt. Im Jahr 2004 besuchten rund 9500 Zuschauer unsere Vorstellungen.

Unsere Sparten sind eng miteinander verknüpft und gestalten gemeinsame Projekte. Das beste Beispiel dafür ist unser alljährliches Weihnachtsmärchen – ein Projekt der Kindertheatergruppe. Nachdem unsere rund 20 Kinder sich für ein bestimmtes Märchen entschieden haben, 2004 „Der Froschkönig oder der eiserne Heinrich" und 2005 „Das tapfere Schneiderlein", beginnt die Organisation der Inszenierung. Die Vorbereitung und Erarbeitung des Märchens erstreckt sich über das ganze Jahr. Bevor überhaupt die Bühnenfassung geschrieben wird, gibt es Beratungen zur Deutung, Betrachtung und praktischen Umsetzung des Märchens. Wir müssen uns in unsere jungen Zuschauer hineinversetzen und überlegen, wie wir es erreichen, dass sie das Stück verstehen, dass ihre Gefühle angesprochen und ihre Phantasie anregt wird. Die betreffenden Sparten erarbeiten später, in Abstimmung mit dem Regisseur, den Entwurf für das Bühnenbild und die Kostüme und beginnen mit der Anfertigung. Auch ein Musiker steht uns seit Jahren zur Seite und arrangiert mit viel Liebe und Verständnis für unsere Inszenierungen und unsere jungen Zuschauer die passende Musik.

Die Proben zum Stück beginnen spielerisch. Aus dem Spiel und der Improvisation heraus entstehen gute Ideen für die Inszenierung.

Parallel zu den Proben nehmen die Kinder an einem Mal- und Zeichenwettbewerb teil. Thema ist die jeweilige Inszenierung. Die Kinder wählen die besten drei Bilder aus. Diese nimmt die Arbeitsgemeinschaft Öffentlichkeitsarbeit als Grundlage für die Plakate, Programmhefte und Eintrittskarten.

Geschminkt und frisiert werden die jungen Darsteller von Jugendlichen aus dem Schauspielensemble. Ins rechte Licht gerückt werden die Kinder von der Technik. Natürlich sorgt diese auch für den guten Ton. Die benötigten Kostüme werden von unserer Schneiderin und einigen interessierten Kindern selbst genäht. Der Weihnachtsmann begrüßt die kleinen und großen Gäste vor jeder Veranstaltung. Theatermitglieder sorgen dafür, dass die Tische rechtzeitig mit Kakao und Keksen eingedeckt und die Garderobe und Kasse besetzt sind. Unsere Gäste sollen sich wohl fühlen. Beifall und begeisterte Zuschauer sind der schönste Lohn für alle Akteure auf und hinter der Bühne.

Kindergartengruppen, Grundschulklassen und viele Familien besuchen unsere Märchenvorstellungen. Die Kinder aus dem Schwedter Obdachlosenheim und dem Frauenhaus werden jedes Jahr eingeladen. Diesen Kindern eine Freude zu machen, liegt uns besonders am Herzen. Das Märchen führen wir jedes Jahr in unserem Haus ca. zwanzigmal und zweimal in Eberswalde im Haus Schwärzetal auf.

Wer von den Kindern und Jugendlichen nicht selbst auf der Bühne stehen möchte, findet bei uns auch eine Freizeitbeschäftigung in den Bereichen Bühnentechnik, Bühnenbild, Kostümschneiderei, Öffentlichkeitsarbeit und Maskenbildnerei, so dass vielfältige Fähigkeiten ausprobiert und entwickelt werden können. Einige Theatermitglieder sind nach einer gewissen Zeit aus Neugier und Interesse in mehreren Bereichen tätig und sind selbst oft erstaunt über ihre eigenen Talente und Leistungen. Die Kinder und Jugendlichen lernen durch die gemeinschaftliche Arbeit an den einzelnen Theaterinszenierungen, Verantwortung zu tragen, aufeinander Rücksicht zu nehmen und füreinander da zu sein. Ganz wichtig ist uns auch, den Kindern und Jugendlichen bei der Bewältigung all ihrer Probleme hilfreich zur Seite zu stehen. Sie sollen sich bei uns „wie zu Hause" fühlen. Unsere „Großen" kümmern sich auch gern um die „Kleinen".

Das Schauspielensemble erarbeitet vorwiegend Stücke für Jugendliche. Aber auch kleine Kinderstücke und Erwachsenenstücke stehen auf dem Spielplan. Die Jugendstücke werden nach folgenden Schwerpunkten gewählt: Aktualität des Themas, Identifikation der Jugendlichen mit dem Thema, darstellerisches Potential und Entwicklungsmöglichkeiten und praktische Durchführbarkeit. Unsere Jugendlichen möchten das auf die Bühne bringen, was sie wirklich bewegt. Konflikte werden beim Namen genannt und Problemen offen angesprochen. Aufmüpfigkeit wird ausprobiert und Zorn nicht vorenthalten. Auf der Bühne ist vieles möglich: demokratisches Verhalten, soziales Lernen und natürlich auch das Träumen.

Neben den Jugend- und Kinderstücken erarbeiten wir auch Komödien und literarische Programme. Das literarische Programm „Wat ick empfinde" mit Texten von Doris Göllner Mohr bieten wir für Veranstaltungen im kleineren Rahmen an. Mit ihren Gedichten in Berliner Mundart möchte die Autorin kleine Geschichten des täglichen Lebens auf heitere Weise weitergeben. Vieles scheint selbst erlebt, alles aber stark empfunden zu sein.

Unter der Regie von Uwe Schmiedel entstanden 2004 „Katharina in Love" nach Shakespeares „Der Widerspenstigen Zähmung" und „Genau wie immer: alles anders".

Wer kennt sie nicht, Shakespeares Geschichte von Petruchio und der „widerspenstigen" Katharina. In einer konzentrierten Kurzfassung erzählen 13 Mitglieder der Jugendgruppe vom „Stolperdraht" diese Komödie Shakespeares. Interessant und neu dabei ist für die Schüler der Umgang mit dem klassischen Text. Entscheidend für die Inszenierung war, den Umgang der Figuren miteinander auszuloten und die Frage kann oder muss man eine Frau überhaupt „zähmen" oder ist hier einfach die Klugheit der Frau gefragt.

Interessant war auch die Überlegung, wie die Geschichte aussehen würde, hätte sie Shakespeare heute geschrieben. Wie gehen die Jugendlichen von heute mit der Liebe um? Entstanden sind zwei Parallelgeschichten über die Zähmung Widerspenstiger. Konzipiert ist das Stück für junge und junggebliebene Leute ab 12 und natürlich für alle Shakespearefreunde.

Das Stück „Genau wie immer: alles anders" des Autors Günter Jankowiak erzählt von den alltäglichen Problemen Vierzehnjähriger beim Entdecken der Liebe. Die Pubertät ist nicht nur das Thema, sondern hier auch eine leibhaftige Figur. Neugierig und ein bisschen altklug, mit Durchblick und total chaotisch krempelt sie das Leben der Hauptfiguren um. Freundschaft, Liebe, Sexualität und Familie sind plötzlich nicht mehr das, was sie waren. Neue Erfahrungen bringen viel Aufregung.

Regisseur Uwe Schmiedel hat das Stück mit den jungen Darstellern mit viel Engagement und ganz unverkrampft inszeniert. Viele Fragen, die junge Leute bewegen, sollen beantwortet werden – mit Humor, und auch ganz persönlichen Betrachtungen. Zu den Vorstellungen herzlich willkommen sind junge Leute ab 12 Jahre, Eltern, Lehrer, Betreuer und alle Theaterfreunde. Waren es bei unseren bisherigen Inszenierungen aus dem Schulbereich hauptsächlich Deutschlehrer mit ihren Schülern, die unsere Vorstellungen besuchten, so freuen wir uns sehr darüber, dass dieses Stück auch bei den Biologielehrern großen Anklang findet und uns schon viele Schulklassen aus Schwedt, Angermünde und Eberswalde besucht haben. Das Thema scheint sehr zu berühren. Auch unsere nächsten Vorstellungen im Februar und März sind schon vorbestellt.

Wichtig ist uns neben den Inszenierungen auch die Weiterbildung unserer Darsteller, Techniker, Regisseure und Ausstatter und der Austausch mit den Mitgliedern anderer THEATER. Der BATV bietet uns mit seinen Workshops und Theatertagen dafür hervorragende Möglichkeiten.

In unserem PRIMANIA Karnevalsklub Schwedt können Mitglieder ab 14 Jahre mitmachen. Es werden 2 Programme pro Jahr erarbeitet, ein Bütten- und Sketchprogramm für den Faschingsauftakt im November und ein Theater-Faschingsprogramm für den Februar. In den Texten werden aktuelle politische Themen und Geschehnisse behandelt und „närrisch interpretiert".

Seit einigen Jahren haben wir auch eine Mädchentanzgruppe im Theater. Einige Mädchen unserer Jugendgruppe wollten nicht nur Theater spielen, sondern auch Tanzen lernen. Acht Mädchen zwischen 14 und 20 Jahren tanzen zur Zeit in der Gruppe. Pro Jahr werden 3 bis 4 Tänze einstudiert. Gezeigt werden die Tänze in der Faschingszeit und bei weiteren geeigneten Anlässen in unserer Stadt und Umgebung.

Die Vorstellungen unseres Theaters sind nicht nur in Schwedt gut besucht. In Prenzlau, Angermünde, Eberswalde, und Templin, um nur einige zu nennen, sind wir mit unseren Aufführungen präsent. Viele Kindereinrichtungen unserer Region buchen gern unsere kleinen Kinderstücke im Frühjahr und zur Weihnachtszeit. Aus der Feder und unter der Regie unseres Vorsitzenden, Lothar Falkenberg, entstehen jedes Jahr zwei neue Stücke für Kinder ab 3 Jahre. Wir fragen Kindergartenkinder, welche Themen und Geschichten sie bewegen und entwickeln gemeinsam mit unseren jungen Darstellern daraus die Theaterstücke.

Neben der Theaterarbeit bemühen wir uns um ein aktives Vereinsleben (z. B. verschiedene Feste, Premierenfeiern, Besuch anderer THEATER, „Quasselstunden", Radtouren, Mal- und Bastelnachmittage). Auch die alljährliche Ferienfreizeit im Freizeit- und Erholungszentrum Kastaven (bei Lychen) ist schon zur Tradition geworden. Spaß, Spiel, Baden und Erholung stehen im Vordergrund. Wichtig ist auch die Integration neuer Mitglieder in unsere Gruppen und eine gute Verständigung zwischen den „Großen" und „Kleinen". Mit den Kindern und Jugendlichen arbeiten wir an einigen Vormittagen auch an der Bildung und Förderung schauspielerischer Fähigkeiten (Sprechübungen, Pantomime, Rollenspiele, Tanzen) und proben das Weihnachtsmärchen. Kino, Ausflüge, eine Dampferfahrt, Basteln, Angeln, Lagerfeuer, Grillen, Eisessen, eine Nachtwanderung und natürlich ein großes Neptunfest sind bei unseren Mitgliedern sehr beliebt und gehören in jedem Jahr zu unserer Sommertour. Unsere Mitglieder freuen sich immer sehr darauf.

Wir arbeiten auch regelmäßig mit anderen Vereinen und Institutionen unserer Stadt und Umgebung zusammen. So gibt es zum Beispiel in jedem Jahr ein großes Frühlingsfest für die ganze Familie, welches wir gemeinsam mit ca. 10 weiteren Vereinen in unserem Haus ausrichten. Regelmäßig beteiligen wir uns am Schwedter Kinder- und Jugendtag, am Oktoberfest, Weihnachtsmarkt und anderen kulturellen Höhepunkten.

Für 2005 sind sieben Neuinszenierungen geplant, darunter drei für Kinder, ein neues Jugendstück, ein Sketchprogramm und zwei Faschingsprogramme für Jugendliche und Erwachsene. Am 12. März 2005 hat das Kinderstück „Kroko, ein Krokodil in Nöten" Premiere. Am 10. Juni findet unsere 15. Jahresfeier statt

Die Premiere des Jugendstückes „Crazy" ist für Anfang September geplant.

Dass wir trotz sinkender Kinderzahlen in der Region immer mehr junge Mitglieder und Zuschauer haben, stimmt uns optimistisch für unsere weitere Arbeit. Wir hoffen, dass wir mit unserem THEATER noch viele junge Menschen ein Stück ihres Weges begleiten können und vielen Zuschauern ein interessantes Theatererlebnis verschaffen.

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15 ... Stolperdraht
Sommertour 2006
9. BATT 2006

 
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